Start Alte Berichte

GPA Webcam SPO

webcam


Leipzig Ostern 1999 PDF Drucken

Ostern auf der Wiese

von Jörg Labes

Für die Buggyfahrer ist spätestens zu Ostern der Winterschlaf vorbei. Zu diesem Termin ist das erste Rennen der Saison angesetzt. In diesem Jahr erstmalig auf der grünen Wiese mitten Deutschland. Auf dem alten Flugplatz "Rote Jahne" bei Leipzig sollten die ersten Punkte der Saison vergeben werden.
Doch es kam alles ganz anders. Doch beginnen wir ganz vorne... Der Vorteil des Ostertermins ist der große Zeitrahmen der einem für so eine Veranstaltung zur Verfügung steht. Auch aus dem letzten Winkel der Republik war es somit möglich nach Leipzig zu kommen. Werner Mayer hatte ganze Arbeit geleistet und stellte für sein erstes Masterrennen eine ganze Menge auf die Beine. Knapp 70 Fahrer hatten sich dann auch für die verschiedenen Rennen angemeldet. Das Gelände ist riesig groß und bietet gerade bei westlichen Winden beinahe optimale Bedingungen, bei Ostwind wird dieser etwas durch den nahen Wald verwirbelt. Da es sich um einen ehemaligen Flugplatz handelt gibt es dort auch Asphaltpisten, die zum Fahren nur so einladen. und so wurde der Karfreitag bei allerbestem Wetter und ca. 20° zum freien Fahren genutzt. Der Wind war schwach aber absolut ausreichend um mit Matten zwischen 4 und 9 m² das Terrain zu erkunden. Gerade die Küstenfahrer fühlten sich stark durchgeschüttelt und mußten sich erst langsam an die holprige Wiese gewöhnen. Die Mutigeren fuhren auf dem Asphalt und ließen die Reifen quietschen, bis...ja bis ein Unfall passierte, bei dem sich Andreas Lange ein Bein brach (gute Besserung von allen!!!). Das Entsetzen war allen anzusehen, und die Asphaltfläche war danach für alle absolut tabu. (Allerdings wäre wohl bei einem Unfall auf der Wiese nicht auch die Wiese gesperrt worden....). 
Nun ja, wir fuhren also fortan auf der Wiese weiter und machten Bekanntschaft mit den Löchern dem Müll und anderen Schwierigkeiten. Zum Abend schlief der Wind langsam ein, und alle hatten ein gutes Gefühl, genug geübt zu haben. Das Wind sich gleich für die nächsten zwei Tagen schlafen legte wußte hier noch niemand, und so ging man frohen Mutes zum Regelbriefing.
Viel gab es zu diskutieren, standen doch die neuen FISLY Regeln hier das erste Mal zur Debatte. Es ging hoch her und jeder Punkt wurde heiß und leidenschaftlich angesprochen. Besonders die Regel nach der ein Überholen nur noch in Luv erlaubt ist fand keinerlei Anerkennung. Rennleiter Wolfgang Schwede fand hier eine friedliche Lösung nach der wir bei unseren Rennen weiterhin an beiden Seiten überholen dürfen. Am nächsten Morgen fand zwar ohne Wind aber dennoch frohen Mutes das erste Rennbriefing statt. Danach mußten alle Fahrer ihre Buggys an der Rennleitung vorbei in die Pit-Zone bringen. Es wurden alle nicht regelgerechten Dinge an den Buggys angesprochen und um Besserung bis zum Mai-Cup gebeten. Viele hatten sich Mühe gegeben ihre Buggys den neuen Regeln entsprechend herzurichten, andere hatten noch gar nichts daran gemacht. Sicherlich sind große Nummern auch im eigenen Interesse, denn bei 70 Startern müssen die Helfer schnell erkennen können, wer da gerade vorbeigehuscht ist. Mit vorbeihuschen war es in Leipzig allerdings nichts. Der Tag wurde mit warten auf den Wind verbracht. Es reichte zwar mit Mühe im Stand die großen Matten zu fliegen, aber zum Buggyfahren war das deutlich zu wenig Wind. Dennoch konnte man einige Neuheiten entdecken. Zum einen flogen diverse Matten von Libre, wobei hier nicht klar war, ob es sich um Airbex, Adrenalin oder zukünftige Typen handelt, zum anderen zeigte Kalle Biester die neue 11 m² JoJo RS, die es allerdings wohl nicht im freien Markt zu kaufen geben wird. Außerdem konnten die neuen Schirme eines Branchenneulings betrachtet werden. Der Gleitschirmhersteller Airea betritt bei den Zugschirmen für Buggyfahrer neuen Boden und hatte erste Prototypen vor Ort im Einsatz. 
Am Samstagabend gab es eine fröhliche Party im Festzelt, bei dem Uwe Maaß alte Tischklettereien zeigte, was sofort Nachahmer fand. Der Abend wurde ziemlich feucht und lustig, einige fühlten sich durch die Musik gestört, allerdings war am nächsten morgen alles vergessen.
Wenn die Buggyfahrer den ganzen Tag nicht fahren können, dann wird viel geklönt, gefachsimpelt und einfach nur Spaß gemacht. So fand sich Uwe Maaß in der mobilen Toilette irgendwann mitten auf dem Flugfeld wieder, was ihn nicht daran hinderte seine "Sitzung" fortzusetzen. Am Tag zuvor hatte noch Jan Biester einige Zeit dort verbracht, als ihn die Active People Crew in der Toilette einklebte. Irgendjemand mußte ständig seinen Tarnkappenbomber umparken...Wer noch nie einen "richtigen" JoJo Schirm gesehen hatte, der konnte zuschauen wie die tschechischen Entwickler der JoJos, Franda und Michaela, mit einem Motor auf dem Rücken ihre Runden drehten und eine gute Show ablieferten (der Schirm hatte 35 m² !). Dauerspaßvogel Heiko ließ es sich nicht nehmen seinen farbgleichen 2,7m² Schirm anzuleinen und ebenfalls einen Startversuch zu beginnen, es blieb beim Versuch.... Kurzum, das ganze Drumherum stimmte und machte mächtig Spaß. Nach dem langen Winter gab es viel zu erzählen und darum wurde es auch nie langweilig. Denn zum Klönen war wirklich genug Zeit. 
Damit die Junioren und Kids noch einige Punkte für ihre Rangliste sammeln konnten, veranstaltete Alp ein Rennen mit zwei Läufen, bei dem der Buggy gezogen werden mußte. Dieses spornte die Mastersfahrer an und mit einigen Schwierigkeiten durchsetzt machten sie es den Kiddis nach. Auf diese Art und Weise wurden die Pokale unter die Fahrer "gewürfelt". Beachtlich, das mal wieder Ute Nissen und Stephan Knickmeier vorne lagen, selbst hier überlassen sie nichts der Konkurrenz...
Per Beobachtung vom Abend vorher wurden noch einige Fahrer zur Abgabe von Dopingproben gebeten. Wie hoch der Alkoholpegel in den Proben war blieb bis zum Schluß ein Geheimnis...
Durch den fehlenden Wind wurde die Veranstaltung am Sonntagmittag beendet und einige machten sich sofort auf den Heimweg, andere erst am Abend, ein kleiner Rest blieb bis Montag. Ein großen Dank an Werner Mayer, der glaubhaft versicherte, daß es das erste windlose Wochenende 1999 war (schon am Dienstag blies es dort aus West mit 5 Bft.). Er hat auf dem Gelände einen schönen Cup veranstaltet, es gab ein wenig böses Blut wegen Kleinigkeiten, die inzwischen alle ausgeräumt sind. Hoffentlich nächstes Jahr wieder, Buggyrennen können auch ohne Buggyfahren sehr viel Spaß machen.