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Euro 1998 PDF Drucken

von Ute Nissen

Es war ein schönes internationales "Renn-Meeting". Man traf endlich viele Fahrer anderer Nationen wieder, die man von der letzten EURO her kannte oder vereinzelt bei anderen Rennen kennengelernt hatte. Die Parties in den Apartments be-wiesen dies jeden Abend aufs Neue.
Als Europameisterschaft konnte man die Rennwoche in Belgien allerdings nicht bezeichnen. Der organisatorische Auftakt und Abschluß zeigte uns, was wir, die Klasse 8, aber auch die Speedsailor, Klasse 7, für die F.I.S.L.Y. bedeuten. Wir sind ihnen wohl ziemlich egal, vielleicht bezeichnen sie uns als Strandsegler für Arme. Laurent Delabre traf erst kurz vor dem ersten Briefing am Dienstag ein, spulte sein Programm in einem stark verschimmelten Bunker (das "Clubhaus") am Strand ab und war für Diskussionen wenig empfänglich. Das stets propagierte Motto Sicherheit, auf das die Strandsegler so gesteigerten Wert legen, führte sich selbst während der ersten zwei Rennen ad absurdum. Erst nachdem das Deutsche Team die weitere Rennteilnahme am zweiten Tag verweigerte und dies begründet darlegte, änderte sich alles zum Guten. Laurent hat von da an immer wieder unter Beweis gestellt, daß es ihm um die Sache und um die Sicherheit geht. Es wurden für beide Seiten akzeptable und vernünftige Kompromisse gefunden. 
Grund für diese Auseinandersetzungen war nicht zuletzt das schwierige Terrain. Lediglich bei Ebbe konnte gefahren wer-den, denn dann wurde nach und nach eine Sandbank nach der anderen vom Wasser freigegeben. Zwischen diesen Sand-bänken blieb das Wasser aber stehen (man ging also jedes Rennen baden, brrrr) und lief nur teilweise in Form von Prielen durch die Sandbänke ab. Diese Priele fraßen sich im Verlauf der Ebbe immer tiefer in die Sandbank, so daß steile bis zu 40 cm tiefe Abbruchkanten entstanden. Aufgrund der Wetterlage, anfangs orkanartiger Sturm, der im Laufe der Woche etwas abnahm, waren stets nur ein bis zwei Sandbänke befahrbar. Das bedeutete, daß wir keinen Dreieckskurs, sondern bei zwei Wendemarken, die ca. 3 km voneinander entfernt standen, je nach Windrichtung lediglich einen leichten Kreuz- und einen Vorwindkurs oder einen hart am Wind- und einen Raum-schotkurs fahren konnten. Die schnellen Kurse wurden auf den harten Sandbänken gefahren, und dort lauerte die Gefahr der steilen Priele. Defensives Fahren war nicht nur aus diesem Grund "überlebenswichtig", auch das für uns ungewohnt große Starterfeld. Da uns aufgrund der Tide die Zeit im Nacken saß, starteten sämtliche Fahrer, 70 Piloten, gleichzeitig; hei, was für ein Spektakel. Mit jedem Rennen gab es aber weniger Verwicklungen, was einerseits auf Übung zurückzuführen ist, andererseits aber auch die vermehrt praktizierte defensive Fahrweise aller Piloten.
Der Kurs blieb bzgl. der Bodenverhältnisse anspruchsvoll, die Rennstrecke selber möchte ich aber als langweilig bezeich-nen. Vom Regen haben wir glücklicherweise wenig abbekommen. Lediglich am Samstag, als das 60 km Rennen stattfinden sollte, regnete es nicht nur in Strömen, sondern ließ uns auch der Wind gänzlich im Stich, wirklich schade! 
Ich bereue es nicht, nach De Panne gefahren zu sein. Geärgert - und zwar richtig - haben mich die offiziellen Aktionen der F.I.S.L.Y., d.h., die Begrüßung und die Siegerehrung. Ansonsten haben wir sehr viel Spaß und gute Stimmung gehabt. Ich freue mich schon auf die nächste EURO, ich werde auf jeden Fall dabei sein. Bis dahin - und da bin ich mir eigentlich sicher - haben die Buggyfahrer und Laurent Delabre vielleicht nicht alles aber vieles gemeinsam erarbeitet. Es ist noch viel zu tun, und ich wünsche Roger Bartsch und seinem Team viel Erfolg.